elisabeth am see® | Eine Einzelhandelsgeschichte aus Caputh

Eine Einzelhandelsgeschichte aus Caputh

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Die Urcaputherin Dagmar Opitz hat über Jahrzehnte hinweg uns alle im Dorf mit Lebensmitteln und all den anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgt! Wäre sie nicht gewesen, hätte es zu manchen Zeiten keinen Laden im Dorf gegeben!
Schon 1988 arbeitete Dagmar Opitz als Verkäuferin im HO-Lädchen an der Ecke der heutigen Straße der Einheit und Schmerberger Weg. Als im Dezember 1993 der Laden schließen sollte, wagte Frau Opitz den Schritt in die Selbständigkeit und führte ab Januar 1994 den Laden weiter. Sie stellte mit ihrem wohl sortierten „SPAR“ auf nur 60m2 neben dem Bäcker und dem Fleischer die Grundversorgung der Caputher sicher!
Dreizehn Jahre „SPAR“ – eine lange Zeit. Und nicht immer eine leichte Zeit. Denn schon im September 1994 öffnete der neue EDEKA-Markt in der Friedrich-Ebert-Strasse – fast sieben Mal so groß wie das Ecklädchen! Frau Opitz suchte immer wieder Möglichkeiten, um ihren Laden zu erhalten. Vor zehn Jahren schmiss sie dann doch das Handtuch. Sie schloss den kleinen Laden. Doch die rührige Geschäftsfrau ließ sich nicht unterkriegen: In Potsdam-Waldstatt übernahm sie vom Konsum ein Geschäft, das sie völlig neu gestaltete. Im neuen SPAR-Markt von Frau Opitz in Waldstatt fanden auch ihre beiden verbliebenen Mitarbeiterinnen aus Caputh einen neuen Arbeitsplatz. Als dann die Post die in ihren neuen SPAR-Markt integrierte Filiale schließen wollte und die Anwohner heftig protestierten, ergriff Frau Opitz wieder die Initiative: Sie mietete neue Räume an, eröffnete eine Postfiliale und rettete erneut vier Arbeitsplätze!
2013 wird wieder zum Wendepunkt in Dagmar Opitz Leben: Der Geschäftsführer des EDEKA-Marktes in Caputh wollte den einzigen Supermarkt im Ort aufgeben. Wieder sprang Dagmar Opitz ein. Der Zuspruch von den Caputhern hatte sie schlussendlich überzeugt. „Immer wieder wurde ich angesprochen, dass ich den Laden übernehmen soll. Man kann einen Ort nicht ohne Lebensmittelversorgung lassen“ – sagte die Einzelhändlerin. Eigentlich wollte sie schon damals kürzertreten – und entschied sich doch noch mal für eine neue Aufgabe.
Es war klar, dass es für ihren EDEKA-Markt  bald große Konkurrenz geben würde. Im Juni 2014 eröffnete im sogenannten „Blütenviertel“ auf 3000 Quadratmetern ein riesiger Rewe-Supermarkt mit Parkplatz für 83 Autos. Dagmar Opitz glaubte anfangs dennoch, dass sie es schaffen könnte. Hatte ihr Markt doch eine Frischetheke für Fleisch, gab es doch einen großen alten Kundenstamm, hatte sie doch feste Lieferverträge. Sie konnte nicht wissen, dass viele mit fliegenden Fahnen zu Rewe wechseln würden.
„ Kunden gehen leider dahin, wo es am billigsten ist – denn Geiz ist geil“ sagt die Einzelhändlerin heute etwas bitter. „Bei Sonderangeboten kann ich nicht mithalten mit den Großen. Wenn ich welche anbiete, kann ich damit leider nur Umsatz machen, bei dem nichts für die Deckung der Kosten übrigbleibt. Unsere Fleischtheke mussten wir leider auf Selbstbedienung umstellen, weil wir keine Fachkraft dafür bekommen konnten. Ich weiß, das gefällt vielen nicht, aber es gab dafür keine andere Lösung. Ebenso war die Veränderung der Öffnungszeiten erforderlich. Ein Betrieb muss sich rechnen. Wenn er das nicht mehr tut, muss man ihn  schließen oder anpassen.“
„Alles wiederholt sich. Alle zehn Jahre stehe ich anscheinend vor der gleichen Situation. Doch dieses Mal –  nach über 30 Jahren im Einzelhandel und mit 65 Jahren – verlassen mich dann doch langsam die Kräfte. Ich kapituliere.“ Frau Opitz sieht kein Licht mehr am Ende des Tunnels!
Doch der Mietvertrag läuft noch bis 2018 – das wird noch eine harte Zeit für Dagmar Opitz. Es sei denn, ldie Caputher bedanken sich mit ihrem Einkauf im EDEKA-Markt dafür,  dass Dagmar Opitz immer da war, wenn Not am Mann war und die Grundversorgung des Ortes sicherstellte. Und helfen so, dass Miete und Löhne gezahlt werden und auch die Auswahl in den Regalen wieder größer wird. Denn das bringt der Kreislauf so mit sich: Keine Kunden – kein Umsatz, kein Umsatz – kein Geld beziehungsweise abgelaufene Ware, die nicht mehr verkauft werden kann und Geld gekostet hat.

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